Was den Pastor bewegt

Ewigkeit im Herzen

Ewigkeit„Ewigkeit“ – denkst du bei dem Wort an die ewige Jugend ohne Falten und graue Haare oder doch eher an die Warterei in der Arztpraxis, wenn es eine Ewigkeit dauert, bis man endlich aufgerufen wird? Welchen Klang hat das Wort „Ewigkeit“ in deinen Ohren? Klingt es wie ein Traum oder eher wie ein Schreckgespenst?

In einem alten Kirchenlied zum Ewigkeitssonntag heißt es: „O Ewigkeit, du Donnerwort!“ Die Erinnerung an den Tod und was danach kommt, weckt uns auf aus dem Alltagstrott wie ein plötzliches Donnergrollen an einem heißen Sommertag. Einmal werde ich mich verantworten müssen vor dem Schöpfer und Herrn der Welt. Dann werde ich auch die Rechnungen begleichen müssen, um die ich mich hier in diesem Leben gedrückt habe. „Ewigkeit“ macht kein kurzweiliges Thema für den Stammtisch und es kann die Stimmung auf einer Party ruinieren.

„Ach, mit dem Tod ist alles aus!“ so verdrängt man die donnernde Stimme, die uns mahnt: „Bist du bereit für die Ewigkeit?“ Oder man schiebt den Gedanken auf die lange Bank: „Was nach dem Tod kommt, darum kümmere ich mich, wenn ich alt geworden bin!“ Aus dem Ewigkeitssonntag wurde auf diese Weise der Totensonntag. In den Gottesdiensten wird an die Verstorbenen des vergangenen Jahres erinnert. Meist beschränkt man sich auf den Blick zurück auf das Leben der Verstorbenen und deren Glück und Leid.  Der Blick voraus wird vermieden. Was kommt nach dem Tod? Wo sind sie jetzt – die Verstorbenen des vergangenen Jahres? Und doch drängen diese Fragen auf eine Antwort. Die Mahnung der Ewigkeit lässt sich nicht verdrängen. Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt – so heißt es im Prediger Salomo (Pred 3, 11). Tief in unserem Denken liegt das Wissen verwurzelt: Die siebzig oder achtzig Jahre auf diesem Planeten können nicht alles sein. Es muss noch mehr geben. Sollen wir träumen von einer grünen Wiese, wo die Engel tanzen und sich alle wiedersehen oder sollen wir vage Vorstellungen von einem Land im Herzen bewegen, in dem doch noch Recht geschaffen wird für die, die Unrecht leiden mussten in ihrem Leben?

Eine Generation nach dem Lied „O Ewigkeit, du Donnerwort!“ nahm sich Kaspar Heunisch das Lied von Johann Rist erneut vor und dichtete es um. „O Ewigkeit, du Freudenwort“ sang er. Und beides ist wahr. Zwischen beiden Liedern liegt die Begegnung mit Jesus. Im Licht seines Kreuzes bildet die Ewigkeit nicht mehr den Ort der Strafe. Jesus hat mit seinem Tod am Kreuz das Sühnegeld bezahlt und die Tür zum Paradies wieder geöffnet. Jesus ist auferstanden von den Toten. Am Ostermorgen war das Grab leer. Ja, es gibt die Auferstehung von den Toten. Am Jüngsten Tag, wenn Jesus wiederkommen wird, werden alle Menschen auferstehen und sich verantworten müssen. Im Vertrauen auf Jesus heißt „Ewigkeit“ nicht mehr: „Ich werde büßen müssen!“ Für alle, die an Jesus glauben, bedeutet Ewigkeit: Ich darf bei Gott leben. Jesus schenkt mir ein gültiges Visum für ein Land ohne Leid und Not, ohne Siechtum und langsames Sterben.

Das ist die ureigene christliche Hoffnung, die in unserer nach-christlichen Welt nahezu in Vergessenheit geraten ist. Krankheit und Tod bilden in unserer Welt das Tor zum Leben ohne Ende – zur Ewigkeit. Dieser Gedanke lässt sich denken, denn Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt. Doch der Gedanke fällt mir schwer. Zu sehr klebe ich an diesem Leben. Zu schnell überwältigt mich die Furcht vor dem strafenden Gott, dem ich in der Ewigkeit begegnen werde. Zudem fällt es schwer, an Gottes Vergebung zu glauben und an die Eintrittskarte für die himmlische Festtafel, die Jesus uns ganz umsonst schenken will.

In der letzten Strophe eines Abendliedes heißt es: „O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne.“ Nicht nur meine Muskeln brauchen Training. Auch meine Seele muss trainiert werden. Durch tägliches Training mit der Bibel und gefalteten Händen kann ich meine Seele anlernen, dass sie die Ahnung von der Ewigkeit bewusst lebt. Dann gehe ich meine Tage mit einem sehnsuchtsvollen Blick auf die Ewigkeit. Es mag ironisch klingen – aber jede Krankheiten hilft mir bei diesem Gewöhnungsprozess. Wenn der Körper nicht mehr so arbeitet, wie er soll, mahnt er mich unüberhörbar: deine Tage sind gezählt. Umso mehr freue ich mich über die Hoffnung, an die der Ewigkeitssonntag erinnert. Die Tür zu Gottes ewiger Welt steht offen. So viele sind mir bereits im Glauben vorausgegangen. Einmal werde auch ich die Pracht und Herrlichkeit sehen können, die Gott für seine Kinder vorbereitet hat. Mit dieser Hoffnung vor Augen, kann ich dankbar die Tage leben, die Gott mir noch auf dieser Welt gibt.

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