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10 – Moderne Frauen, die einer alten Berufung folgen

von Kristie Meyer

Gott, der Herr, sagte: „Es ist nicht gut, dass der Mann allein ist. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“
Gott, der Herr, hatte alle wilden Tiere und alle Vögel des Himmels aus der Erde geformt. Er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und wie der Mensch ein jedes Lebewesen nannte, das war sein Name. So gab der Mann dem Vieh, den Vögeln am Himmel und allen wilden Tieren Namen.
Aber für Adam wurde keine geeignete Gehilfin gefunden.
(1. Mose 2,18-20)

Anfang dieser Woche haben wir einen etwas akademischen Blick auf eine Wortstudie von „Helfer“ (ezer) im Alten Testament geworfen. Was wir dabei herausfanden, war aufschlussreich: Gott handelt meistens als ezer oder gibt ezer, dieser ezer wird denen gegeben, die es nicht verdienen, ohne dass eine Gegenleistung oder Rückzahlung erwartet wird, und die Rolle des ezer deutet in keiner Weise auf Minderwertigkeit hin. Diese akademischer Studie ist nützlich, um die Rolle des ezer richtig zu verstehen, und es ist eine wertvolle Übung, die man durcharbeiten sollte.

Diese Art von Studium beseitigt jedoch nicht immer den Ballast, der so oft mit der Rolle des Helfers verbunden ist. Zu wissen, dass Gott als ezer handelt, macht es uns nicht immer leichter, genauso zu handeln. Zu wissen, dass ein ezer zu sein, keineswegs auf einen geringeren Wert hindeutet, lässt nicht immer das Gefühl der Minderwertigkeit verschwinden, das manchmal zurückbleibt, wenn die Formulierung „Haupt und Gehilfin“ verwendet wird. Wie können wir also mit diesem Ballast umgehen? Wie können wir unsere Vorbehalte und Bedenken überwinden und stattdessen bereitwillig und mit Freude unsere Helferrolle annehmen?

Den Ballast anerkennen

Die Verfasserin der Andacht sucht im Oxford English Dictionary den Begriff „Helfer“. Weil die unterschiedlichen Worte im Deutschen schlecht wiederzugeben sind, schauen wir bei Wikipedia nach. Dort finden wir den „Helfer“ als „jemand, der in irgendeiner Form Hilfe leistet, eine Hilfskraft“.  Ähnliches findet sich für den Begriff „Gehilfe“: „Mit Gehilfe ist im allgemeinen, nichtjuristischen Sprachgebrauch entweder eine Hilfsarbeitskraft (…) oder jedweder Assistent gemeint.“

Der Blick auf den Eintrag für „Hilfskraft“ ist interessant: es ist ein „Geringqualifizierter, eine Berufsbezeichnung für eine Arbeitskraft ohne (branchenspezifische) Berufsausbildung, die Hilfstätigkeiten verrichtet. Sie stellt die niedrigste berufliche Klasse nach Berufbildungsabschluss dar.“ Bestenfalls eine „Person, die unterstützende Tätigkeiten vornimmt.“

Damit sind wir beim Kern der Sache angelangt. Wenn man die Definitionen den ganzen Weg zurückverfolgt, könnte es tatsächlich darauf hindeuten, dass die Rolle des „Gehilfen“ – die Rolle, für die Eva geschaffen wurde – eine geringere oder niedrigere Position ist. Wenn wir, die wir heute Deutsch sprechen, hören, dass auch wir für eine „Gehilfen“-Rolle geschaffen wurden, ist es durchaus verständlich, dass der Gedanke aufkommt, dass unsere Rolle daher minderwertiger oder niedriger ist. Aber ist das wirklich richtig? Wurde Eva als Untergebene von Adam geschaffen? Ja… und nein…

Wenn wir, die wir heute Deutsch sprechen, hören, dass auch wir für eine „Gehilfen-Rolle“ geschaffen wurden, ist es völlig verständlich, dass der Gedanke aufkommt, dass unsere Rolle deshalb minderwertiger oder niedriger ist. Aber ist das wirklich richtig?

Ja, Eva war Adams Untergebene in dem Sinne, dass er ihr Haupt war. Ja, sie war ihm untergeordnet in dem Sinne, dass sie letztlich von Adam abhängig war, was Leitung und Führung anging. Ja, sie war ihm in dem Sinne untergeordnet, dass sie ihm unterstand und ihm bei den Dingen half, die er tun musste, aber letztlich nicht selbst tun konnte.

Wenn unter „untergeordnet“ jedoch eine geringere Bedeutung, ein geringerer Wert, ein geringerer Charakter oder eine schlechtere Qualität verstanden wird, dann war Eva Adam absolut nicht untergeordnet. Das beste Wort, um die Beziehung von Adam und Eva zu beschreiben, ist vielleicht „komplementär“ (ergänzend). Wie wir in einer früheren Andacht gelernt haben, schuf Gott Adam und Eva für eine wechselseitig abhängige Partnerschaft: eine Partnerschaft, in der jeder den anderen braucht, in der jeder etwas Einzigartiges und Unterschiedliches beisteuert.

Unsere Berufung freudig ausleben

Auch wir sind gesegnet, in Partnerschaften zu leben, in denen wir in einer „Gehilfen“-Rolle dienen – ergänzende Partnerschaften, voneinander abhängige Partnerschaften, Partnerschaften, in denen wir unseren männlichen Gegenüber etwas geben können, was sie brauchen. Wenn wir über unsere verschiedenen Partnerschaften nachdenken, steht das Zuhause oft im Vordergrund. Mann und Frau arbeiten von Natur aus zusammen, um ein liebevolles Umfeld zu schaffen, ihre Kinder zu erziehen und Christus in den Mittelpunkt ihrer Ehe zu stellen.

Ich kann Ihnen sicherlich nicht sagen, wie das für Sie aussehen sollte, denn das sieht für jeden anders aus. Es gibt nicht eine Liste mit den Aufgaben und Pflichten des „Ehemannes/Hauptes“ und eine separate Liste für die „Ehefrau/Gehilfin“. Nein, jede Familie wird für sich herausfinden müssen, was es für den Mann bedeutet, das Haupt zu sein, und für die Frau, Gehilfin zu sein – und dabei immer im Hinterkopf behalten, dass keine der beiden Rollen mehr oder weniger wert ist. Wenn jedoch offene und ehrliche Gespräche stattfinden, wenn Mann und Frau sich bemühen, die Stärken des anderen zu würdigen und die Schwächen des anderen zu unterstützen, wird Gott geehrt und die Familie wird zu einem Ort, an dem Christus wohnt.

Diese sich ergänzenden Partnerschaften zeigen sich auch in der Kirche. Später in dieser Andachtsreihe werden wir darüber nachdenken, was es für Männer und Frauen bedeutet, als Leib Christi zusammenzukommen, und in welchem Zusammenhang dies mit unseren einzigartigen Berufungen steht. Im Augenblick reicht es aus, wenn wir darauf hinweisen, dass es viele Möglichkeiten für Frauen gibt, als Gehilfinnen in ihren örtlichen Gemeinden zu dienen. Ich spreche nicht nur von den traditionellen Möglichkeiten wie dem Dienst als Mesner/Küster oder dem Singen im Chor. Wenn Ihnen einfällt, wie Sie helfen können, wird das in Ihrer Gemeinde wahrscheinlich willkommen sein und geschätzt werden.

Wenn Ihnen etwas einfällt, wie Sie helfen können, wird es in Ihrer Gemeinde wahrscheinlich willkommen sein und geschätzt werden.

Noch einmal: Das wird für jede Frau in jeder Gemeinde anders aussehen, und es steht mir nicht zu, Ihnen vorzuschreiben, wie es für Sie aussehen soll. Ich kann Ihnen jedoch sagen, wie es für mich aussieht: Fragen beantworten, Probleme lösen und hinter den Kulissen arbeiten, damit alles reibungslos abläuft. Kurz gesagt, ich versuche, meinen Pfarrern so viel wie möglich abzunehmen, damit sie mehr Zeit haben, sich um die Bereiche ihres Dienstes zu kümmern, die nur sie erledigen können. Und wenn ich mich bereitwillig auf diese Partnerschaft einlasse – wenn ich auf eine Art und Weise diene, die sowohl hilfreich ist als auch meine Gaben der Schwerpunktsetzung und Organisation nutzt – dann erlebe ich, dass ich meine Berufung als Gehilfin auf eine Art und Weise auslebe, die mir und den Menschen um mich herum Freude bereitet. Ich bin zuversichtlich, dass das auch auf Sie zutreffen wird.

Wenn unsere Berufung nicht erkannt wird…

In einer ungläubigen Welt ist das allerdings nicht so einfach. Wir sind nicht immer von Mitchristen umgeben, mit denen wir das gemeinsame Ziel teilen, uns gegenseitig im Glauben zu stärken. Wir haben nicht immer mit Freunden und Bekannten zu tun, die verstehen, dass unser Wunsch zu helfen keine Schwäche ist, sondern eine Stärke, wenn wir unsere Rolle ausleben. Wir haben es nicht immer mit einer Kultur zu tun, die den Segen sieht, den das Helfen bringt.

Es ist verlockend, das Handtuch zu werfen und unsere Helferrolle auf das Zuhause und die Kirche zu beschränken. Aber wie wir in der ersten Woche entdeckt haben, gelten die einzigartigen Berufungen von Männern und Frauen nicht nur für das Haus und die Kirche. Das bedeutet, dass wir berufen sind, als Gehilfen zu handeln – auch wenn es darum geht, wie wir uns in einer ungläubigen Welt verhalten.

Achten Sie genau darauf, was ich hier sage und was nicht. Ich sage nicht, dass jedes Tun, jede Aufgabe und jede Interaktion zwischen einer Frau und einem Mann ein Anlass dafür ist, dass die Frau hilft. Ich sage auch nicht, dass jede Frau dazu berufen ist, jedem Mann zu helfen, oder dass es für Frauen immer unangemessen ist, eine Position innezuhaben, in denen sie Autorität über andere hat – sowohl über Männer als auch über Frauen. Ich sage jedoch, dass unsere Rolle als Gehilfin sowohl im christlichen als auch im säkularen Umfeld gilt. Das zeigt sich in unserer Einstellung, in unserer Bereitschaft, nicht nur auf unsere eigenen Interessen zu achten, sondern auch auf die Interessen anderer, in unserem Wunsch, die gleiche Haltung zu haben wie Christus Jesus (Philipper 2,4-5).

Das zeigt sich in unserer Einstellung, in unserer Bereitschaft, nicht nur auf unsere eigenen Interessen zu schauen, sondern auch auf die Interessen anderer, in unserem Wunsch, die gleiche Haltung zu haben wie Christus Jesus (Philipper 2,4-5).

Ich schließe heute, wie ich es Anfang der Woche getan habe: Für mich persönlich ist es ein ständiger Kampf, meine Helferrolle mit Freude auszuleben. Mein alter Adam flüstert mir gerne ins Ohr: „Minderwertig! Beschränkt!“, und mein neuer Mensch ist oft nicht in der Lage, mit solchen Anschuldigungen umzugehen. Eine Reise zurück in den Garten Eden und durch die Seiten des Alten Testaments lässt diese Behauptungen verstummen, aber das Flüstern „Veraltet! Altmodisch!“ ist immer noch zu hören. Wenn ich ehrlich bin, hilft es mir am meisten, einfach einen Weg zu finden, um zu dienen – einen Weg, den ich gut kann, der ein Bedürfnis befriedigt und der anderen Freude bereitet. Was für ein Segen ist es, wenn diese Freude ansteckt und zu mir zurückkommt!

Zum Weiterdenken

  • Der Begriff „komplementär“ (ergänzend) beinhaltet Gleichheit, Entsprechung und Unterschied. Wie sehen wir diese Elemente in der Beziehung zwischen Adam und Eva? Wie in unseren heutigen Beziehungen?
  • Manchmal kann es schwierig sein, Wege zu finden, wie Sie Ihre Rolle als Gehilfin in Ihrer Gemeinde ausleben können. Denken Sie an etwas, in dem Sie besonders gut sind, an eine Fähigkeit, mit der Sie besonders gesegnet sind. Wie könnten Sie diese Fähigkeit nutzen, um in Ihrer örtlichen Gemeinde zu helfen?
    Mit wem könnten Sie sprechen, um eine Aufgabe zu übernehmen, bei der diese Fähigkeit zum Tragen kommt?
  • Wie verändert Ihre Einstellung die Art und Weise, wie Sie Ihre Rolle als Gehilfin in einer ungläubigen Welt sehen?

Schlussgebet
Herr Gott, unsere sündige Natur hört nie auf, unseren Glauben anzugreifen und unseren Wert in Frage zu stellen. Wenn diese Herausforderungen im Zusammenhang mit unserer Rolle als Gehilfin auftreten, erinnere uns daran, dass du diese Rolle einzigartig für uns geschaffen hast. Zeige uns immer wieder, wie wir diese Berufung treu ausleben können, und lass die Behauptungen der Welt verstummen, dass wir durch unseren Dienst als Gehilfin weniger wert und wertvoll sind. Amen.

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