„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist das bekannteste Weihnachtslied und der Inbegriff des deutschen Weihnachtsbrauchtums. Vielleicht wird es auch bei euch am Heiligen Abend gesungen, und vielleicht hast du dabei auch Bilder vor Augen: Der „holde Knabe im lockigen Haar“ und das „traute (Eltern-)Paar“ prägen so manche Vorstellung von der Krippenszene in Bethlehem. „Owi“ lacht bis heute.

Pfarrer Albrecht Hoffmann aus Crimmitschau hat sich für das „Wort zum Tag“ vom mdr Sachsen Gedanken über dieses Lied gemacht:  

Ab Heiligabend feiern wir Geburtstag von Jesus. Wenn ich mit Kindern darüber rede und sie auf die Schippe nehmen will, frage ich: „Wie heißt Jesus eigentlich mit Nachnamen?“ Was würden Sie antworten? Die Kleinen meistens wie aus der Pistole geschossen: „Christus!“. Klar: Jesus Christus. Und doch ist „Christus“ nicht Nachname, sondern ein Titel von Jesus. Frau Merkel heißt auch nicht Kanzlerin, sondern Angela. Professor Brinkmann nicht Professor, sondern Klaus. Christus ist eine Art Berufsbezeichnung für Jesus.

Was ein Christus so macht? Das kann man sich anhand eines bekannten Weihnachtslieds merken: „Stille Nacht, heilige Nacht“! In der ersten Strophe herrscht noch heimelige Ruhe: Maria und Josef wachen am Krippen-Bettchen des holden Jesuskinds, das in himmlischer Ruh schläft. Fast ein bisschen zu kitschig für manchen Geschmack.

Aber in einer der folgenden Strophen ist’s vorbei mit der Ruhe: „Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht; durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter ist da!“ Die Engel singen den Hirten vor, was der Christus macht: Retten. Christus heißt übersetzt „Gesalbter“ oder anders: „Der, der von Gott für eine besondere Aufgabe ausgewählt und angekündigt wurde.“ Als Christen glauben wir, dass er uns seinen Sohn gesandt hat, damit der uns aus aller Schuld und Finsternis dieser Welt rettet. Jesus, der Christus, erfüllte diesen Auftrag, obwohl es ihn 30 Jahre später am Kreuz das Leben kostete. Doch so hat er uns mit Gott versöhnt und den Himmel als Lebensziel geschenkt. Drei Tage später stand Jesus als Sieger über den Tod aus dem Grab wieder auf – zu Ostern. All das war schon lange vor seiner Geburt angekündigt. Darauf warteten Generationen von Gläubigen voller Spannung – wie Kinder kurz vor der Bescherung.

An Heiligabend löste Gott seine Zusage ein und ließ die frohe Botschaft verkünden: „Christ, der Retter ist da!“ Sozusagen: Jetzt ist Bescherung! So wurde aus der stillen Nacht eine heilige Nacht – also eine, die Gott für uns zu einer ganz besonderen gemacht hat.

 

 

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