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Was den Pastor bewegt

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen – Wie verhalten wir uns gegenüber den Gottesdienst-Verboten?

Gottesdienst-Verbot, Versammlungsverbot, geschlossene Kirchen, Ausgangssperre – das verkündigen die Schlagzeilen seit Mitte März und eine Fülle von Verordnungen verändern unser Leben dramatisch. Grundlegende Rechte werden beschnitten, weil ein neuartiges Virus an der Ausbreitung gehindert werden soll. 

Christen ließen die gewohnten Osterfeiern ausfallen. Das gab es noch nie, selbst nicht in Kriegszeiten oder während der Pest! Warum lassen Christen sich das gefallen? Sollten wir nicht Gott mehr gehorchen als den Menschen? Sollten wir nicht Aufbegehren gegen solche Regeln oder zumindest stillschweigend weiter unsere Gottesdienste feiern? Wie begründen wir als bibeltreue Christen unsere Nachsicht und Geduld oder auch Unterwürfigkeit?

Als über die Apostel nach Pfingsten in Jerusalem ein Predigtverbot verhängt wurde, wehrten sie sich mit der Begründung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 5, 29). Diese Worte werden in der derzeitigen Situation leider missverstanden als ein allgemeiner Freibrief, sich gegen menschliche Ordnung zu stemmen. Haben die Apostel wirklich argumentiert: „Wir dienen Gott und die Regierungen können uns mit ihren Entscheidungen gestohlen bleiben“?

Bei genauerem Hinsehen fällt nun allerdings auf, dass auch in diesem Vers (eben Apg 5, 29) hauptsächlich von Gehorsam die Rede ist, und zwar gegenüber zwei Instanzen. Wir sollen Gott gehorchen. Das fällt uns schon schwer genug, wenn Gott uns auf Wege schickt, die uns recht unwegsam vorkommen. Und dann ist hier die Rede von dem Gehorsam gegenüber Menschen – also denen, die Regierungsgewalt über uns haben. Wir sollen den Menschen gehorchen. An anderer Stelle wird dieser Gehorsam näher erklärt. „Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten …“ So heißt es in 1. Pt 2,13. Auch im Kapitel 13 des Römerbriefs gibt es eine ausführliche Anweisung, wie Christen sich zur weltlichen Obrigkeit stellen sollen: sie sollen der Obrigkeit gehorchen, die Gewalt über sie hat. Es gibt keine Obrigkeit gibt außer von Gott. Diese Gottes Worte sind harte Brocken für alle, die sich lieber nicht unterordnen oder ein gebrochenes Verhältnis zu den Entscheidungen ihrer Regierungen haben. Doch derart offenbart uns Gott seinen Willen. Als Christen in der Welt sollen wir uns grundsätzlich den örtlichen Autoritäten unterordnen.

Als ob das alles nicht schon schwer genug wäre, zeigen uns die Apostel in der Situation der Urgemeinde noch einen weiteren Auftrag. Wir sollen abwägen. Wenn die Regierungen und menschlichen Autoritäten etwas fordern, das gegen Gottes Willen steht – dann und nur dann – sollen wir uns für Gottes Auftrag entscheiden und Gott gehorchen. Das kann bedeuten, dass wir den Menschen die Stirn bieten und ihnen gegenüber ungehorsam werden. Die Folgen sollen wir dann auch tragen – nämlich die Strafen, die die menschlichen Regenten verhängen. Die Apostel in  Apg 5 werden gegeißelt und weggeschickt. Erstaunlicherweise ertragen die Apostel diese Misshandlung mit Freude, weil sie würdig gewesen waren, für ihren Herrn zu leiden.

Wie sollten wir also mit den Gottesdienst-Verboten und Einschränkungen unserer Tage umgehen? Wir fragen zuerst nach Gottes Willen in alledem. Jesus gibt seiner Gemeinde den Auftrag, Gottes Wort zu verkündigen. Wir sollen zur Zeit und zur Unzeit reden und lehren von dem was Jesus uns aufgetragen hat. Darüber hinaus sollen wir den Feiertag heiligen und die Versammlungen nicht verlassen. Wird uns dieses nun von den aktuellen Gesetzen und Vorschriften verboten?  Ehrlicherweise muss die Antwort darauf lauten: Uns wurde kein Predigtverbot erteilt wie den Aposteln in Apg 5. Viele Gemeinden konnten in den vergangenen Wochen durch moderne Medien die Botschaft im Internet viel weiter tragen, als dies durch die Verkündigung hinter der Kirchentür möglich war. Es gibt kein generelles Verbot der Verkündigung.

Die Verbote der gottesdienstlichen Versammlungen geschehen mit einem klar umrissenen Ziel. Nach dem derzeitigen Stand der medizinischen Kenntnisse können besonders bei Gottesdiensten durch das Singen und Sprechen und die Nähe der Menschen untereinander die Viren übertragen werden, deren Ausbreitung man einzudämmen versucht. Bei der Frage nach Gottes Willen kommt das fünfte Gebot in den Blick. Wir sollen Leben und Gesundheit unserer Mitmenschen schützen. Gottes Gebot deckt sich an der Stelle also mit den Gesetzen, die von staatlichen Stellen erlassen werden. Wir brauchen insofern nicht Gottes Auftrag abzuwägen gegenüber dem Auftrag der Menschen.

Es bleibt die Frage nach den Versammlungen, die ebenfalls geboten sind (Heb 10, 25). Dabei haben wir abzuwägen zwischen verschiedenen Geboten Gottes – dem 5. Gebot, das Leben zu schützen und den Ausführungen zum 3. Gebot, den Feiertag zu heiligen. Es geht also im Grunde genommen nicht um das Abwägen zwischen einander widersprechenden Geboten Gottes und Auflagen der Menschen, sondern um das Abwägen zwischen verschiedenen Geboten Gottes.

Da wir auch im kleinen Kreis der Familien Gottes Wort hören und betrachten, gemeinsam beten und Gott loben können, erscheint der Verzicht auf größere gottesdienstliche Versammlungen (oder die Einhaltung von Hygienevorschriften) den Christen weithin als der gegebene Kompromiss – wohlgemerkt in Abwägung des 3. Gebotes mit den Forderungen des 5. Gebotes. Zudem spricht auch die Aufforderung zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Ordnungen nach dem 4. Gebot für das Befolgen der jeweilig gültigen Verordnungen.

Sicherlich bleiben damit noch unbeantwortete Fragen und berechtigte Sorgen. Die Beobachtung, dass die meisten Bürger unseres Landes den regelmäßigen Besuch von Gottesdiensten längst aufgegeben haben, könnte dazu führen, dass widergöttliche Kräfte versuchen werden, die Religionsfreiheit einzuschränken. Im alltäglichen Kampf um Lockerungen der Einschränkungen könnte schnell eine Hexenjagd auf kleine Gemeinschaften beginnen, wenn deren Bibelkreise und Gebetsversammlungen als Herde der Infektion ausgemacht werden. Das alles wollen wir Gott anbefehlen und den Tag nutzen, um die rettende Botschaft des Evangeliums weiterzusagen. Jesus ist vom Tod auferstanden. Es gibt ein Leben jenseits der Bedrohungen dieser Tage. Jesus hat für seine Kinder Wohnungen vorbereitet in einer Welt, die nicht mehr von Viren bedroht werden kann – wo er alle Tränen abwischen wird. Und wir wollen Gott weiter bitten für die Regierenden, dass sie weise und besonnene entscheiden nach den Erkenntnissen, die zur Verfügung stehen. Gott kann es schenken, dass eine wirksame Medizin gegen die gegenwärtig drohende Krankheit gefunden wird. Wir wollen unseren himmlischen Vater bitten, dass er uns bald wieder die Möglichkeit gibt, zu Gottesdiensten zusammen zu kommen.

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